
Das läuft beim Verein Alpkäseproduzenten SG, AR/AI und FL
Trockener Alpsommer 2026: Wenig Gras, knappes Wasser und trotzdem hervorragender Alpkäse
Rückblick Alpsaison 2026
Autorin: Selina Müller, CULINARIUM Partner-Info
Der trockene Sommer machte den Älplern, insbesondere den Sennen und Sennerinnen zu schaffen. Was bedeutet das für die Qualität und die Preise des Alpkäses?
Marco Bolt von der Geschäftsstelle des Vereins Alpkäseproduzenten St.Gallen, beider Appenzell und dem Fürstentum Liechtenstein sowie Präsident der Schweizer Alpkäsekommission im Interview.
Wenig Gras, knappes Wasser
Marco Bolt, mit wie viel Prozent Rückgang von Ostschweizer Alpkäse muss gerechnet werden?
Es gibt noch keine Zahlen, die Alpmilchstatistik mache ich jeweils im Januar. Es wird davon ausgegangen, dass es weniger wird als in einem Durchschnittsjahr, insbesondere für Kuhalpen, die auf den 2. und 3. Grasaufwuchs angewiesen sind, welcher spärlich ausfiel. Aber es gibt auch Alpen, die lange im ersten Gras bleiben konnten und dadurch weniger Futterprobleme zu verzeichnen hatten.
Was kann zu diesem Zeitpunkt rückblickend auf die Alpsaison 2026 insgesamt gesagt werden?
Die Alpsaison 2026 war für viele Sömmerungsbetriebe – wie auch Heimbetriebe – eine grosse Herausforderung. Der fehlende Regen führte nicht nur zu spärlichem Graswachstum, sondern sorgte auch für knappes oder fehlendes Tränkewasser. Vor allem musste viel Zeit, Energie und Geld aufgewendet werden, um kurzfristig Wasser zu beschaffen. Für diejenigen, die ausreichend Futter und Wasser hatten, wird der Alpsommer 2026 auch als sehr schöner, aber heisser Alpsommer in Erinnerung bleiben.
Preise und Absatz
Wird sich der Mehraufwand in der Preisbildung des Alpkäses niederschlagen können?
Bislang sind keine Preisaufschläge geplant. Die Preisbildung wird sich wie überall auf Angebot und Nachfrage zurückführen lassen.
Was empfiehlst du den Alpkäseproduzenten betreffend dem Absatz?
Die Alpen sollen ihre Produkte bestmöglich vermarkten und keinesfalls unter Preis verkaufen. Alpkäse ist eine Delikatesse, ein Naturprodukt, welches unter erschwerten Bedingungen produziert wird. Dieser Fakt muss den Endkonsumenten von Zeit zu Zeit ins Bewusstsein gerufen werden.
Alpkäse ist eine Delikatesse, ein Naturprodukt, welches unter erschwerten Bedingungen produziert wird.
Marco Bolt
Qualität und Zukunft
Was kann über die Qualität des Alpkäses jetzt schon gesagt werden?
Gemäss der Alpkäsetaxationen, welche der Verein Alpkäseproduzenten SG, AI/AR,FL in den Alpkäsekellern der Kantone SG, AI/AR, FL durchführen lässt, sind die Produkte wieder von hervorragender Qualität.
Was empfiehlst du den Alpkäseproduzenten für die Zukunft?
Sich auf trockene Alpsommer bestmöglich vorzubereiten. Dies mit Investitionen in die Wasserversorgung der Alp, aber auch in die Gebäude wie beispielsweise in Klimageräte für die Käsekeller bei zu warmen Kellern.
Gibt es noch etwas in diesem Zusammenhang, das dir am Herzen liegt, worüber wir nicht gesprochen haben?
Die grösste Herausforderung der Milchverabreitungs-Apbetriebe sind nicht die trockenen Sommer, sondern gutes Alppersonal, vor allem Sennen und Sennerinnen zu finden.
Zur Person
Marco Bolt
Geschäftsstelle des Vereins Alpkäseproduzenten St. Gallen, beider Appenzell und Fürstentum Liechtenstein, Präsident der Schweizer Alpkäsekommission
www.alpkaeseproduzenten.ch
Gut zu wissen: Fragen zu Alpkäse
Was unterscheidet Alpkäse von Bergkäse? Alpkäse darf nur so heissen, wenn die Milch aus dem Sömmerungsgebiet stammt und der Käse dort hergestellt wird, also auf der Alp. Einzig die Reifung darf im Tal stattfinden. Für Bergkäse genügt das Berggebiet. (Berg- und Alp-Verordnung, BLW)
Wann wird Alpkäse gemacht? Nur im Sommer, solange die Alpen bewirtschaftet werden. Im Winter entsteht kein Alpkäse. (swissmilk.ch)
Wie viel Alpkäse entsteht in St. Gallen, Appenzell und Liechtenstein? Die 40 Alpkäsereien im Verein Alpkäseproduzenten stellen jährlich rund 350 Tonnen her, vom Linthgebiet über das Sarganserland, Rheintal und Toggenburg bis in den Alpstein. (alpkaeseproduzenten.ch)
Ist St. Galler Alpkäse hart oder halbhart? Halbhart. Er ist nach zwei bis drei Monaten reif und wegen seines höheren Wassergehalts weicher und geschmeidiger als harte Alpkäse. (schweizeralpkaese.ch)
Enthält Alpkäse Laktose? Hartkäse gilt als laktosefrei. Halbhartkäse wie der St. Galler Alpkäse enthält noch Spuren, meist unter 0,1 Gramm pro 100 Gramm. Ab diesem Wert gilt Käse als laktosefrei. (schweizerkaese.ch, swissmilk.ch)
Darf ich in der Schwangerschaft Alpkäse essen? Halbharten Alpkäse wie den St. Galler solltest du nur erhitzt essen, etwa geschmolzen oder überbacken. Harten Alpkäse kannst du ohne Rinde auch kalt geniessen, selbst aus Rohmilch. (BLV)
Kann man die Rinde mitessen? Die Naturrinde von Schweizer Käse gilt als hygienisch unbedenklich, weil die Branche freiwillig auf Zusatzstoffe wie Natamycin verzichtet. In der Schwangerschaft gehört sie trotzdem weg. (SRF, BLV)
Wie lagere ich Alpkäse? Im Kühlschrank bei 5 bis 10 Grad, am besten im mittleren Fach. Wickle ihn in Käsepapier oder in Folie mit ein paar Löchern, damit er atmen kann. (swissmilk.ch)
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