
Liebe, Käse und ein Stethoskop: Wie ein junges Paar alles riskierte und sein Handwerk neu erfand
Autor: CULINARIUM, basierend auf einem Interview von Alexandra Gächter
Es gibt Momente im Leben, da wirft man alle Pläne über den Haufen und folgt seinem Herzen. Für Aninia und Babatunde Adewale war dieser Moment im Sommer 2020 gekommen. Sie übernahmen den traditionsreichen Familienbetrieb von Aninias Vater, die Schafmilchkäserei Koster. Doch kaum hielten sie den Schlüssel in der Hand, rollte die Corona-Pandemie über das Land. Messen brachen weg, die Gastronomie schloss, und die Zukunft, für die sie alles auf eine Karte gesetzt hatten, war plötzlich ungewisser denn je. Ihre Geschichte ist keine gewöhnliche Unternehmer-Story. Es ist die Geschichte eines Paares, das sich gegen alle Widerstände stemmte und mit Mut, Liebe und einer gehörigen Portion Kreativität nicht nur einen Betrieb, sondern die Zukunft eines ganzen Handwerks sicherte.
Ein Start ins Ungewisse
Für Aninia Adewale-Koster war die Käserei in Wald mehr als nur ein Betrieb – es ist der Ort, an dem ihr Vater Franz Koster seit 1990 mit Leidenschaft Käse hergestellt hatte. Für Babatunde, der seine Wurzeln in Afrika hat, war es der Beginn eines neuen Lebensabschnitts, angetrieben von der Liebe zu Aninia und zur Schweizer Handwerkskunst. Gemeinsam wagten sie den Schritt in die Selbstständigkeit, mit zwei kleinen Kindern an der Hand und dem grossen Traum, das Familienerbe in die Zukunft zu führen.
Doch die Realität traf sie mit voller Wucht. «Alles war fragil und unvorhersehbar», erinnert sich Babatunde. Zur Pandemie kam der ohnehin schon harte Konkurrenzkampf im Käsegeschäft und die leise Skepsis im Umfeld. Sie standen vor einer Zerreissprobe: Wie soll man einen kleinen Handwerksbetrieb durch eine globale Krise steuern, wenn man gerade erst das Ruder übernommen hat?
Gemeinsam die Schwäche zur Stärke gemacht
In den langen Nächten voller Ungewissheit fassten Aninia und Babatunde einen mutigen Entschluss. Statt sich dem Druck zu beugen, machten sie ihre vermeintlich grösste Schwäche zu ihrem stärksten Argument.
Wir sind ein kleines Unternehmen, das mag ein Nachteil sein, aber wir können dadurch flexibel bleiben und auf Wunsch auch kleine Chargen liefern.
Babatunde Adewale
Anstatt nur auf Schafmilch zu setzen, klopften sie bei den Bauern in der Nachbarschaft an. Sie erweiterten ihr Sortiment um Spezialitäten aus bester regionaler Bio-Kuh-, Bio-Jersey- und sogar Bio-Büffelmilch. Plötzlich war ihre kleine Käserei ein Zentrum der Vielfalt, ein Ort, an dem Qualität und Herkunft wieder zählten – nicht nur der Preis.
Doch was tun gegen das gefürchtete «Sommerloch», wenn die Nachfrage nach Käse traditionell sinkt? Auch hier bewies das Paar seinen Innovationsgeist. Sie tüftelten, probierten und kreierten etwas Neues: cremige Bio-Schafmilch-Glace und erfrischende Molke-Getränke. Diese Idee war mehr als nur eine clevere Produktergänzung – sie sicherte die ganzjährige Abnahme der Milch von ihren Partner-Bauern, erhöhte die Wertschöpfung in der Region und schuf eine stabile Zukunftsperspektive für alle Beteiligten.
Die Geburt des «Cheese Doctors»
Die vielleicht schönste Idee entstand jedoch aus einer spontanen, humorvollen Eingebung heraus. Um ihre Produkte und ihre Geschichte mit den Menschen zu teilen, brauchten sie einen Weg, um aus der Masse hervorzustechen. Bei einem Videodreh für Instagram griff Babatunde aus einer Laune heraus zu einem Stethoskop und «hörte» einen grossen Käselaib ab, um dessen Reife zu prüfen.
Im Video nannte er sich selbst den «Cheese Doctor». Der Name blieb. Und er wurde zum Symbol für ihre ganze Philosophie: Handwerk mit Herz, Wissen mit einem Augenzwinkern und eine direkte, ehrliche Verbindung zu den Menschen, die ihre Produkte geniessen. Als «Cheese Doctor» gibt Babatunde seither Einblicke in seine Welt, teilt seine Leidenschaft und hat dem Käse ein sympathisches, menschliches Gesicht gegeben. Er und Aninia sind der lebende Beweis, dass hinter jedem guten Produkt eine noch bessere Geschichte steckt.
Einordnung durch den Trägerverein CULINARIUM
Die Geschichte von Aninia und Babatunde Adewale ist ein Paradebeispiel dafür, was unsere Vision «Wir begeistern für den Genuss aus der Region» in der Praxis bedeutet. Sie zeigt auf eindrückliche Weise, wie ein Generationenwechsel nicht nur gelingen, sondern ungeahnte Kräfte freisetzen kann. Ihr Mut, inmitten einer Krise auf Innovation, Flexibilität und authentische Kommunikation zu setzen, sichert nicht nur Arbeitsplätze, sondern schafft eine tiefere Verbindung zwischen Produzenten und Konsumenten. Die Schafmilchkäserei Koster ist damit mehr als nur ein Partnerbetrieb – sie ist ein Leuchtturm, der beweist, dass die Zukunft regionaler Wertschöpfung im Herzen und in den Händen der Menschen liegt, die für ihr Handwerk brennen.
Gut zu wissen: 7 Fakten über Schweizer Schafkäse
Wie hoch ist der Bio-Anteil bei Schweizer Milchschafen? Rund 75 Prozent aller Milchschafe in der Schweiz werden nach den strengen Richtlinien von Bio Suisse gehalten. Dies unterstreicht den aussergewöhnlich hohen Qualitäts- und Nachhaltigkeitsfokus der heimischen Produktion. (www.ufarevue.ch)
Ist Schafkäse leichter verdaulich als Kuhmilchkäse? Ja, viele Konsumenten empfinden Schafmilchprodukte als leichter verdaulich. Sie gelten daher oft als bekömmliche Alternative, insbesondere für Menschen mit einer Kuhmilchunverträglichkeit. (bioaktuell.ch)
Ist Schafmilch nahrhafter als Kuhmilch? Ja, Schafmilch ist von Natur aus reicher an wichtigen Nährstoffen. Im direkten Vergleich zu Kuhmilch enthält sie mehr wertvolles Protein, Fett und knochenstärkendes Calcium. (www.consumer.bz.it)
Ist Schafkäse gut für die Knochen? Ja, Schafkäse ist sehr gut für die Knochen. Er liefert eine ideale Kombination aus Calcium (ca. 450 mg/100 g) und Phosphor (ca. 360 mg/100 g), die im Zusammenspiel besonders effektiv für den Erhalt starker Knochen und gesunder Zähne sind. (eatsmarter.de)
Wie viel Protein enthält Schafkäse? Schafkäse ist eine ausgezeichnete Proteinquelle. Er enthält rund 16 Gramm Eiweiss pro 100 Gramm und unterstützt damit effektiv den Aufbau sowie den Erhalt der Muskulatur. (eatsmarter.de)
Enthält Schafkäse Laktose? Nein, gereifter Schafkäse (Hart- und Halbhartkäse) ist von Natur aus laktosefrei. Während des Reifeprozesses bauen Bakterien den Milchzucker vollständig ab, was ihn auch für Menschen mit Laktoseintoleranz zu einem unbeschwerten Genuss macht. (www.swissmilk.ch)
Welche Vorteile hat Zink in Schafkäse? Schafkäse ist eine gute Quelle für das Spurenelement Zink. Zink ist wichtig für ein starkes Immunsystem und fördert zudem das Wachstum von gesundem Haar und festen Nägeln. (eatsmarter.de)
Hier findest du die
Schafmilchkäserei Koster GmbH
Schafmilchkäserei Koster GmbH
Hittenbergstrasse 50/51
8636 Wald ZH
Tel. 055 246 34 27
www.schafmilchkaeserei.ch

Unser Augenmerk
In unserem Wirken zur Absatzförderung regionaler Lebensmittel setzen wir den Fokus auf Herkunft, Transportwege und Arbeitsplätze. Die regionale Herkunft ist das zentrale Merkmal der gelben Krone. Damit direkt verbunden sind aber auch kurze Transportwege und der Erhalt der Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wir legen unser Augenmerk darauf, die Regionalität in ihrer Gesamtheit zu erhalten, zu fördern und zu nachhaltig zu stärken.
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