Matthias Bodenmanns Weg zum Milchtechnologen – Culinarium

Vom Käseduft zur Karriere: Matthias Bodenmanns Weg zum Milchtechnologen

Nach einem Interview von Selina Müller

«Schon als Bub habe ich gesagt: Dort, wo dieser Duft herkommt, da will ich mal rein.» Für Matthias Bodenmann war der Geruch, der aus der Produktion der Berg-Käserei Gais in den alten Verkaufsladen zog, eine prägende Kindheitserinnerung. Heute steht der junge Mann aus Gais im dritten Lehrjahr zum Milchtechnologen genau dort, wo dieser Duft entsteht. Seine Geschichte ist eine über Leidenschaft, Verantwortung und die Faszination für ein lebendiges Handwerk.

Ein Kindheitstraum wird zum Arbeitsalltag

Als Bauernsohn war Matthias der Umgang mit Kühen und Milch vertraut. Doch es war die geheimnisvolle Welt der Käseherstellung, die ihn nicht mehr losliess. Was als neugieriger Gedanke begann, wurde nach einer Schnupperlehre zur klaren Berufswahl. Jetzt ist er es, der im riesigen «Fertiger» steht und den Prozess steuert. «Es ist spannend, von Anfang an zu sehen, wie aus der Milch Käse wird», erzählt er. «Man kann mit kleinsten Veränderungen bei der Temperatur oder den Rührzeiten etwas bewirken. Kein Tag ist wie der andere.»

Diese Abwechslung ist es, die ihn begeistert. Gestern hat er Butter hergestellt, heute hilft er beim Abfüllen des Käsebruchs, setzt die Kaseinmarken zur Rückverfolgbarkeit und kontrolliert den pH-Wert. Es ist ein Job, der Konzentration und Körpereinsatz verlangt, aber für Matthias ist es mehr als das. Es ist die Erfüllung seines Kindheitstraums.

Zwischen Hightech-Anlage und Handarbeit

Der Arbeitsalltag von Matthias spielt sich zwischen zwei Welten ab. Einerseits bedient er modernste Anlagen, die präzise und effizient arbeiten. Andererseits gibt es Momente, in denen pure Handarbeit gefragt ist, etwa bei der Herstellung der Mutschli. «Das ist wertvoll, um die Prozesse in den grossen Anlagen besser zu verstehen», erklärt sein Lehrmeister Johannes Schefer. Für Matthias ist es genau diese Mischung, die den Beruf ausmacht. Er lernt nicht nur, eine Maschine zu bedienen, sondern entwickelt ein tiefes Gefühl für den Rohstoff.

«Ich bin voll verliebt in Käse. Es ist egal, ob’s ein Stinker ist oder ein Milder.» Matthias Bodenmann, Lernender Milchtechnologe

Diese Leidenschaft gipfelt in dem Verantwortungsgefühl, das er jeden Tag spürt. «Es ist ein schönes Gefühl, dass so viel Milch in meiner Hand liegt», sagt er nachdenklich. «Man geht sorgfältig damit um, denn die Kuh hat sich Mühe gegeben, der Bauer hat sich Mühe gegeben. Die Milch ist ein wertvoller Rohstoff.» Es ist diese Wertschätzung, die zeigt, dass hier nicht nur ein Beruf erlernt, sondern eine Haltung gelebt wird.

Einordnung durch CULINARIUM

Die Geschichte von Matthias Bodenmann und der Berg-Käserei Gais illustriert einen Kernaspekt unserer Mission: Als Kompetenzzentrum fördern wir die nachhaltige Entwicklung der regionalen Lebensmittelwirtschaft. Partnerbetriebe, die in qualifizierte Ausbildungsplätze investieren, setzen unsere Werte – wie die Sicherung regionaler Arbeitsplätze und die Stärkung der ökonomischen Nachhaltigkeit – direkt in die Praxis um. Sie bilden nicht nur Fachkräfte aus, sondern geben auch Wissen und Leidenschaft für regionale Produkte an die nächste Generation weiter.

Fakten zur Lehre in der Ostschweizer Milchwirtschaft

Wie stehen die Chancen auf eine Lehrstelle? Sehr gut. Schweizweit gibt es in der Milchwirtschaft oft mehr freie Lehrstellen als Bewerber. Das macht die Chancen auf einen Ausbildungsplatz als Milchtechnologe oder Milchtechnologin grundsätzlich sehr aussichtsreich.

Ist der Fachkräftemangel eine Chance? Ja. Obwohl sich die Lage leicht entspannt hat, liegt der Fachkräftemangel in der Ostschweiz immer noch 47 % über dem Vor-Pandemie-Niveau. Gut ausgebildete Fachleute sind in der regionalen Lebensmittelwirtschaft darum gefragter denn je.

Ist die Branche krisensicher? Absolut. Lebensmittel werden immer gebraucht. Das macht die Branche zu einem sehr stabilen Arbeitsumfeld und sichert langfristig gute Berufsaussichten direkt in der Region.

Wo findet die Berufsschule statt? Der Unterricht ist zentral organisiert. Lernende aus der ganzen Ostschweiz (TG, SG, AR, AI, GR, GL, SH) besuchen für den theoretischen Unterricht das Bildungszentrum Wil-Uzwil (BZWU) in Flawil.

Was ist der empfohlene Lehrlingslohn? Der Schweizerische Milchwirtschaftliche Verein (SMV) empfiehlt für Lernende folgende monatliche Grundlöhne:

  1. Lehrjahr: CHF 800.–
  2. Lehrjahr: CHF 1’000.–
  3. Lehrjahr: CHF 1’300.–

Wie hoch ist der Einstiegslohn nach der Lehre? Als ausgelernter Milchtechnologe EFZ lag der monatliche Bruttolohn gemäss Gesamtarbeitsvertrag (GAV) im Jahr 2024 zwischen CHF 4’967.– und CHF 5’971.–.

Welche Karriereschritte sind möglich? Nach der Lehre stehen viele Wege offen. Über die Höhere Fachprüfung (HFP) kann man sich beispielsweise zum Käsermeister oder zur Käsermeisterin weiterbilden und anspruchsvolle Führungsaufgaben übernehmen.

Hier findest du die Berg-Käserei Gais AG

Berg-Käserei Gais AG
Forren 22
CH-9056 Gais
Telefon: 071 793 37 33

 

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Unser Augenmerk

In unserem Wirken zur Absatzförderung regionaler Lebensmittel setzen wir den Fokus auf Herkunft, Transportwege und Arbeitsplätze. Die regionale Herkunft ist das zentrale Merkmal der gelben Krone. Damit direkt verbunden sind aber auch kurze Transportwege und der Erhalt der Arbeitsplätze entlang der gesamten Wertschöpfungskette. Wir legen unser Augenmerk darauf, die Regionalität in ihrer Gesamtheit zu erhalten, zu fördern und zu nachhaltig zu stärken.

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