Mehrwert Alpkäse: die neue Alpkäserei der Brüder Götte – Culinarium

Mehrwert Alpkäse: die neue Alpkäserei der Brüder Götte

Text: Selina Müller

Dieser Beitrag wurde ermöglicht durch den St. Galler Bauernverband

Landwirtschaftsbetrieb: «Alpkäserei Gamplüt», Wildhaus (Toggenburg)
Betriebsleiter: Thomas und Astrid Götte (Familie Götte / BG Götte)
Tiere: Eigene Milchkühe sowie Verarbeitung der Milch von Kühen der Nachbarsalp Tesel)
Ackerbau/Kulturen: Alpwirtschaft (Grünland), Milchverarbeitung (Alpkäse, Mutschli, Butter, Joghurt)

Bruno und Thomas Götte aus Wildhaus haben 2024 ihre Vision einer eigenen Alpkäserei in die Tat umgesetzt. Seit Mai 2025 wird auf der Alp Gamplüt Alpmilch verarbeitet. Über Mehrwert und Unternehmergeist.

«Was wir den Leuten immer wieder erklären, ist der Unterschied zwischen Alpkäse und Bergkäse», sagt Bruno Götte, der mit seinem Bruder Thomas im Mai 2025 die komplett neu erbaute Alpkäserei Gamplüt in Betrieb genommen hat. «Alpkäse ist aus Milch, die auf der Alp gemolken und auch verarbeitet wurde. Die Herstellung ist also nur während den 100 Tagen Sömmerungszeit möglich», erklärt der Toggenburger Landwirt. «Bergkäse hingegen kann das ganze Jahr über aus Milch von Bergbetrieben produziert werden», so Götte weiter. Nicht nur das Zeitfenster ist kleiner, in welchem die Produktion rentieren muss. Die Bewirtschaftung der Alpweiden fordert von Lawinenaufräumarbeiten bis Zäunen am Steilhang zusätzlichen Aufwand, während die Kühe bedingt durch deren Bewegung bei der Futtersuche weniger Milch geben. Alpkäse herzustellen, erfordert also grosses Engagement. Die zusätzliche Bereitschaft, eine Alpkäserei mit Stall, Käsekeller und Alphütte neu zu bauen, wie es Bruno und Thomas Götte gewagt haben, zeigt wahren Unternehmergeist und Überzeugung am Produkt. «Als erstes gabs die Alpbutter für unsere Kinder zum Probieren, die sind die kritischsten Degustanten», lacht Bruno Götte. Kurz darauf wurde der erste Mutschli feierlich bei einem Apéro zusammen mit Bildungsreisenden aus Wien aufgeschnitten. Das direkte Feedback war toll», so Götte. Das wichtigste Lob kam aber vom landwirtschaftlichen Berater, der während dem ersten Herstellungsprozess alles genau unter die Lupe nahm.

Der Start ist also gelungen. Nachdem die ersten Sauren Käse, Alpbutter, Mutschlis und Halbhart Alpkäse an die Bauern verteilt wurden, deren Kühe auf Gamplüt sömmern, geht es nun an die Vermarktung. Fachhandel, Bäckereien und Hotellerie der Region freuen sich, die Produkte der Alp Gamplüt anbieten zu dürfen. Wer diese geniesst, verleibt sich ein Stück regionale Alpgeschichte ein.

Fazit durch CULINARIUM

Die Geschichte der Alpkäserei Gamplüt berührt den Kern unserer Vision: Begeisterung für Genuss aus der Region, der tief in unserer Kultur verwurzelt ist. Bruno und Thomas Götte zeigen eindrücklich, dass Tradition kein starres Museumsstück ist, sondern unternehmerischen Mut erfordert. Indem sie die Verarbeitung vor Ort auf der Alp modernisiert haben, sichern sie nicht nur die ökonomische Nachhaltigkeit ihres Betriebs, sondern bewahren ein Stück Ostschweizer Identität. Sie beweisen: Wer Traditionen erhalten will, muss in sie investieren.

Gut zu wissen (FAQ)

Was ist der Unterschied zwischen Alpkäse und Bergkäse? Alpkäse wird ausschliesslich im Sommer direkt auf der Alp produziert, solange die Kühe dort weiden. Bergkäse hingegen kann das ganze Jahr über in Käsereien im Berggebiet hergestellt werden, auch im Winter, wenn die Tiere im Stall sind. Bundesamt für Landwirtschaft BLW

Warum gilt Alpkäse als besonders gesund? Dank der frischen Alpkräuter enthält Alpkäse deutlich mehr Alpha-Linolensäure (ALA) und Omega-3-Fettsäuren als Käse aus dem Tal. Studien belegen, dass dieses Fettprofil entzündungshemmend wirken und das Herz-Kreislauf-System schützen kann. National Library of Medicine

Was fressen die Kühe für echten Alpkäse? Die Kühe ernähren sich auf der Alp primär von hunderten verschiedenen Kräutern und Gräsern der Sömmerungsweiden. Die Fütterung von Silage (vergorenem Futter) ist bei der Herstellung von Alpkäse streng verboten. Schweizer Alpkäse

Wie unterscheiden sich Glarner und St. Galler Alpkäse? Der Glarner Alpkäse AOP ist ein vollfetter Halbhartkäse mit Schmierrinde, der mit zunehmendem Alter sehr rezent wird. Der St. Galler Alpkäse hingegen ist oft etwas weicher und geschmeidiger, da er traditionell einen höheren Wassergehalt aufweist. Verein Kulinarisches Erbe der Schweiz

Hilft die Alpwirtschaft der Biodiversität? Ja, die Beweidung verhindert, dass Alpweiden verbuschen (z.B. durch Grünerlen), was die Pflanzenvielfalt drastisch reduzieren würde. Offene, gepflegte Weideflächen beherbergen eine deutlich höhere Artenvielfalt als brachliegendes Land. Akademie der Naturwissenschaften Schweiz 

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