
Das beschäftigt die Branche
Lupine, Biertreber, Molke: Wie die Schweizer Landwirtschaft vom Protein-Boom profitieren kann
Die Frage aus drei Blickwinkeln: Mjriam Frei von RhyLegu, Aurèle Meyer von brewbee der Brauerei Locher und Doris Erne von Wheycation nehmen Stellung.
Autorin: Selina Müller, CULINARIUM Partner-Info
Proteine sind nicht nur bei Sportlern beliebt, ihre wichtigen Funktionen für ein starkes Immunsystem, ein gesundes Herz und Gehirn sind längst bei den bewussten Geniessern angekommen. Lohnt es sich, abgezielt auf diesen Protein-Boom, für Schweizer Landwirtschaftsbetriebe, auf ein bestimmtes Produkt zu setzen?
Hülsenfrüchte: Mjriam Frei, RhyLegu
Dieser Frage auf der Spur besucht die Redaktion vom CULINARIUM Partner-Info als erstes RhyLegu, den Verein für hochwertige Hülsenfrüchte aus der Region und befragt Geschäftsführerin Mjriam Frei:
Der Boom ist real, die Anbauflächen steigen, aber im Vergleich zum Bedarf wachsen die Schweizer Hülsenfrüchte noch spärlich.
Mjriam Frei, RhyLegu
Mjriam, welche Ostschweizer Nutzpflanze hat am meisten Proteine?
Soja und Lupine, mit rund 35 bis 40 Prozent. Die Lupine ist der grosse Hoffnungsträger. Man nennt sie das ‹Soja des Nordens›, weil sie frosttoleranter ist als Soja.
Welche proteinhaltige Nutzpflanze ist am rentabelsten?
Eiweisserbse und Soja, weil der Absatz bereits vorhanden ist und schon aufgebaut wurde.
Welche Produkte finden im Detailhandel den besten Absatz?
Am besten laufen bei Soja die Klassiker Tofu und Edamame, die grüne, unreif geerntete Sojabohne. Die Eiweisserbse findet vor allem in Form von Mehlen und in Fleischersatzprodukten Absatz.
Hat der Schweizer Ackerbau Chancen, vom Protein-Boom zu profitieren?
Grundsätzlich ja, aber es muss noch deutlich mehr Absatz generiert werden.
Was müsste aus deiner Sicht dafür noch geschehen?
Der Detailhandel muss aufspringen und Schweizer Produkte transparent auszeichnen, damit die Herkunft sichtbar wird. Politisch besteht Handlungsbedarf: Diese Kulturen haben keinen Grenzschutz und keine Zölle, die inländische Produktion ist also nicht geschützt. Und auch Konsument und Gastronomie müssen Hülsenfrüchte stärker in den Speiseplan einbauen. Der Boom ist real, die Anbauflächen steigen, aber im Vergleich zum Bedarf wachsen die Schweizer Hülsenfrüchte noch spärlich.
Besteht auch bei der Logistik noch Handlungsbedarf?
Genau. Das eigentliche Nadelöhr ist die fehlende Wertschöpfungskette zwischen Feld und Regal, also Sammelstellen, Reinigung und Verarbeitung.
Wie zuversichtlich blickst du in die Zukunft?
Wir sind auf gutem Weg, aber es bleibt ein weiter Weg.

Biertreber: Aurèle Meyer, Brauerei Locher
Ein weiteres pflanzliches Protein kann aus Biertreber, einem Nebenprodukt der Bierbrauerei gewonnen werden. Aurèle Meyer, Geschäftsleiter von der Brauerei Locher in Appenzell weiss Bescheid:
Aurèle Meyer, die Brauerei Locher hat 2001 die Tochterfirma brewbee gegründet, um den Biertreber zu hochwertigen Nahrungsmitteln weiterzuverarbeiten. Welche proteinhaltigen Produkte entstehen daraus in erster Linie?
Es entstehen Tschipps, Pizzas, Müesli-Flakes und Fleischalternativen mit hohem Proteingehalt. Dank der Zusammenarbeit mit dem Start-Up Upgrain kann aus dem Biertreber nun zudem direkt nachhaltiges Protein in der Brauerei gewonnen werden.
Besteht Ihrer Ansicht nach die Chance, dass durch das Biertreber-Upcycling im Zuge des Protein-Booms der Anbau von Braugerste für die Schweizer Landwirtschaft wieder attraktiver werden kann?
Für den Moment kann man diesen Zusammenhang so nicht herstellen, da wir erst seit 2025 mit UpGrain richtig am produzieren sind und das daraus entstehende Protein-Pulver momentan auf dem Markt gerade konkurrenzfähig ist. Wir haben zum jetzigen Zeitpunkt also keine Möglichkeit, den Landwirten für ihre Braugerste deshalb einen höheren Einkaufspreis zu bezahlen. Aber wer weiss, wie sich der Markt in Zukunft entwickelt. Immerhin sind wir in Appenzell weltweit die einzigen, die in dieser Art aus Biertreber Protein-Pulver gewinnen.
Molke: Doris Erne, Wheycation
Ein weiteres Nebenprodukt, aus dem Protein-Pulver gewonnen werden kann, ist die Molke. Darauf spezialisiert haben sich Wheycation Lokalgenuss AG in Rapperswil. Doris Erne gibt Auskunft:
Doris Erne, woher bezieht ihr die Molke für eure Protein-Pulver und -Porridges?
Es ist 100% Schweizer Molke. Wir arbeiten mit Hochdorf Swiss Nutrition zusammen. Sie verarbeiten die Molke von grösseren Schweizer Käsereien.
Seid ihr daran interessiert, dass in Zukunft auch einzelne, kleinere Käsereien euch mit Molke beliefern können?
Dies ist ein langfristiges Ziel von uns, dass auch kleinere Käsereien ihre Molke in eine solche Wertschöpfungskette einbringen können und einen wirtschaftlichen Anreiz erhalten, in die dafür notwendige Infrastruktur – beispielsweise Kühlung und Vorkonzentrierung – zu investieren. Regionale Konzepte, eine höhere Transparenz bezüglich Herkunft und hochwertige Endprodukte aus dieser ressourcenschonenden Proteinquelle sehen wir dabei als grosse Chance.
Hat die Schweizer Milchwirtschaft aus deiner Sicht eine Chance, vom Protein-Boom zu profitieren?
Ja, der Proteinboom ist eine grosse Chance für die Schweizer Landwirtschaft und insbesondere für die Schweizer Milchverarbeitungsbetriebe. Aber damit auch kleinere Produzenten davon profitieren können, braucht es Investitionen und neue Verarbeitungs- und Logistikmodelle.
Einordnung durch den Trägerverein CULINARIUM
Fazit: Der Protein-Boom kann eine Chance für die Schweizer Landwirtschaft der Zukunft sein. Gute Ideen sind da, wichtige Schritte gemacht. Jetzt ist es wichtig, am Ball zu bleiben und dass dabei die Regionalität, sprich die gesicherte Herkunftsbezeichnung nicht aus den Augen gelassen wird und auch kleinere Betriebe die Chance erhalten, auf den Protein-Boom-Zug rechtzeitig aufzuspringen.
Drei Proteinquellen auf einen Blick
Hülsenfrüchte: Soja und Lupine enthalten rund 35 bis 40 Prozent Protein. Die Lupine gilt als «Soja des Nordens», weil sie Frost besser verträgt als Soja.
Biertreber: Das Nebenprodukt der Bierbrauerei wird bei brewbee zu Pizzas, Müesli-Flakes und Fleischalternativen verarbeitet. In der Brauerei Locher entsteht daraus zudem Protein-Pulver.
Molke: Das Nebenprodukt der Käserei verarbeitet Wheycation zu Protein-Pulver und Porridges, aus 100 Prozent Schweizer Molke.
Die Gesprächspartner
Mjriam Frei
Geschäftsführerin von RhyLegu, dem Verein für hochwertige Hülsenfrüchte aus der Region
www.rhylegu.ch
Aurèle Meyer
Geschäftsleiter der Brauerei Locher, Appenzell
www.brewbee.ch
Doris Erne
Wheycation Lokalgenuss AG, Rapperswil
www.wheycation.ch
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