Wie unverkäufliche Äpfel regionale Vielfalt schufen – Culinarium

Wie der Aceto San Gallico die Vielfalt sichert: Die Geschichte von Familie Brändle und ihren alten Apfelbäumen

Text: Selina Müller

Was tust du, wenn deine Äpfel als «unverkäuflich» gelten? Wenn sie zwar saftig und süss, aber für den Handel zu gross oder farblich unpassend sind? Pascal Brändle vom Familienbetrieb Brändle stand 2013 genau vor dieser Frage. Die Motorsäge lag quasi schon bereit, um seine alten Obstbäume zu ersetzen. Heute sind genau diese Bäume die Grundlage für einen besonderen Balsam-Apfelessig – eine Geschichte über Mut, Weitblick und die Kraft der regionalen Vernetzung.

Die Herausforderung: Falsche Äpfel für den Markt

Als Pascal Brändle den Hof seines Vaters in Lömmenschwil übernahm, stand er vor einer wirtschaftlichen Realität: Die Niederstamm-Apfelbäume der Sorte Jonagold trugen zwar riesige, zuckerreiche Früchte, entsprachen aber nicht den ästhetischen Normen des Detailhandels für Tafelobst. Die Obstplantage warf keinen Gewinn mehr ab. Die logische Konsequenz schien das Fällen der Bäume zu sein – ein herber Verlust für die biologische Vielfalt der Region.

Ein Netzwerk und eine mutige Idee

Genau in diesem Moment kam die entscheidende Wende. Onkel Leo, der bei der St.Galler Öl AG arbeitete, suchte einen Partner für ein Wagnis: Er wollte ein regionales Pendant zu den hochwertigen Ölen, einen ebenbürtigen Essig. Er brauchte einen experimentierfreudigen Produzenten.

Pascal Brändle war bereit. Statt die Bäume zu fällen, sah er eine neue Chance. Denn für die Obstpresse spielten Grösse und Farbe der Äpfel plötzlich keine Rolle mehr. Die Idee für den Aceto San Gallico war geboren – und die alten Bäume waren gerettet.

Drei Jahre Tüfteln und eine «Gratwanderung»

Der Erfolg kam nicht über Nacht. Es folgten drei Jahre intensiver «Tüftelarbeit» in der Garage, bis die Qualität stimmte. Als 2018 grosse Detailhändler wie Migros und Coop Interesse zeigten, investierte die Familie Brändle mutig in eine neue, grosse Produktionshalle und einen «Acetator» (Essig-Fermenter).

Dieser Schritt professionalisierte die Herstellung, doch die Komplexität blieb. Die Essigherstellung ist eine Gratwanderung, die auf einem geheimen Rezept für die “Anlaufmaische” und selbst hergestellten Essigbakterien basiert. Diese Bakterien müssen auf die Minute genau überwacht werden.

Der Prozess folgt einer klaren regionalen Kette: Die Äpfel werden in der nur 10 km entfernten Mosterei Aepli in Sitterdorf gepresst. Der Saft wird anschliessend in Holzfässern zu saurem Most vergoren. Zurück auf dem Hof, wandeln im Fermenter die Bakterien den Alkohol in Säure um. «Dann ist der Essig wie ein kleines Kind, ich muss in der Nacht aufstehen und nach ihm schauen», erklärt Pascal Brändle. Verpasst er den Moment, sterben die Bakterien ab, und die Arbeit von bis zu zehn Tagen ist verloren.

Ein gutes Endprodukt entsteht, wenn vom ersten Schritt an die höchste Qualitätsstufe eingehalten wird.”
Pascal Brändle, Produzent Aceto San Gallico

Regionale Wertschöpfung, die man schmeckt

Heute ist der Aceto San Gallico ein Erfolgsprodukt. Er wird mit Apfeldicksaft veredelt (komplett ohne zugesetzten Zucker) und bei der St.Galler Öl AG in Flawil abgefüllt und vermarktet – genau dort, wo die Idee einst entstand.

Die Wertschöpfung bleibt zu 100 % in der Region: vom Baum in Lömmerschwil über die Presse in Sitterdorf bis zur Veredelung und Abfüllung in Flawil. Das Produkt gewann Bronze beim Schweizer Wettbewerb der Regionalprodukte. Und das Wichtigste: Die alten Apfelbäume stehen noch. Sie sind der lebende Beweis, dass ökonomischer Erfolg und die Förderung der biologischen Vielfalt Hand in Hand gehen können.

Einordnung durch CULINARIUM

Die Geschichte von Pascal Brändle ist ein Paradebeispiel für den Mut und den Innovationsgeist, der die Ostschweizer Lebensmittel-Wirtschaft auszeichnet. Er hat eine ökonomische Sackgasse – unverkäufliches Obst – nicht als Ende, sondern als Startpunkt für etwas Neues gesehen.

Sein unternehmerischer Weitblick, gepaart mit der Bereitschaft zur Vernetzung mit anderen regionalen Akteuren wie der St.Galler Öl AG und der Mosterei Aepli, hat einen echten Mehrwert geschaffen. Es wurde nicht nur ein Hof für die Zukunft gesichert, sondern auch die biologische Vielfalt bewahrt. CULINARIUM ist stolz darauf, als Kompetenzzentrum genau solche Pioniere zu vernetzen und ihnen eine Plattform zu geben. Der Aceto San Gallico beweist: Regionale Vielfalt ist kein Zufall, sondern das Ergebnis von Menschen, die an ihre Region glauben und partnerschaftlich handeln.

Hast du gewusst? – Apfelessig, das natürliche Multitalent

Was bewirkt Apfelessig im Körper?
Apfelessig kann den Blutzuckeranstieg nach Mahlzeiten um bis zu 35 Prozent senken und die Insulinempfindlichkeit verbessern. Er unterstützt die Verdauung, stärkt die Darmflora und regt den Fettstoffwechsel an. Obwohl er sauer schmeckt, wirkt er im Körper basenbildend.

Hilft Apfelessig beim Abnehmen?
Ja, durch die Essigsäure wird das Sättigungsgefühl gefördert und Heisshunger kann reduziert werden. Gleichzeitig kann der Körper Fett effizienter verstoffwechseln.

Wie sollte Apfelessig eingenommen werden?
Empfohlen wird, ein bis zwei Teelöffel Apfelessig in einem grossen Glas Wasser zu verdünnen. Die Einnahme sollte zu oder nach einer Mahlzeit erfolgen. Pur getrunken kann die Säure Zähne und Speiseröhre reizen.

Ist Apfelessig auch für Haut und Haare geeignet?
Als Haarspülung verleiht er Glanz und reguliert die Talgproduktion. Verdünnt als Gesichtstoner kann er antibakteriell wirken und das Hautbild klären.

Wie kann Apfelessig im Haushalt genutzt werden?
Er ersetzt viele chemische Produkte, reinigt Oberflächen, entkalkt Geräte und neutralisiert unangenehme Gerüche. Auch als natürlicher Weichspüler ist er geeignet.

Familie Brändle
Tannsegeten
9308 Lömmenschwil

www.apfel-essig.ch
079 706 03 79

Weiter Beiträge zum Thema